Theodor Hertzka: Freiland - ein soziales Zukunftsbild (Leipzig 1890)
Das Buch Freiland des Österreichichen Nationalökonomen Theodor Hertzka steht am Beginn eines heute "natürliche Wirtschaftsordnung" genannten Wirtschaftsmodells.
Die Ideen des Buches fanden eine große Resonanz. Es kam zur Bildung von "Freiland-Vereinen" in Deutschland und Österreich und bereits 1894 zu einem Verwirklichungsversuch im heutigen Kenia, dessen Scheitern im Vorwort zur zehnten Auflage ausgewertet wird. Auch die Brüder Lilienthal waren Anhänger der Ideen von Hertzka, wie der "Freilandweg" in Gustav Lilienthals Siedlungsprojekt "Freie Scholle" und die in Otto Lilienthals Fabrik eingeführte "Gewinnbeteiligung" bezeugen.
Die Finanzkrise 2009 hat jüngst besonders dem finanzpolitischen Teil (Freigeld) zu neuer Beachtung verholfen.
Im Folgenden sind Auszüge aus dem Buch wiedergegeben.
Die ökonomische Vision Hertzkas wird in Meyers Konversationslexikon 1892 so beschrieben:
"Er konstruiert nicht einen Zustand, in welchem die Produktionsmittel verstaatlicht sind, sondern sucht Grundrente, Kapitalismus und Unternehmergewinn vom Boden des heutigen Wirtschaftssystems aus zu beseitigen. Was z. B. den Unternehmergewinn anbelangt, so verschwindet dieser, indem sich die Arbeiter zu großen freien Produktivgesellschaften vereinen und somit den Ertrag ihrer Arbeit für sich behalten. Grund und Boden ist herrenlos und jedermann berechtigt, ihn zu bebauen, sowie dessen Früchte einzuheimsen, ohne jedoch ein Grundeigentum zu erwerben. Kapitalien werden vom Staate zinsenlos vorgeschossen. Die Arbeitsleistung erfolgt allgemein durch freie Associationen. In allen wirtschaftlichen Angelegenheiten wird die größte Publizität in Verbindung mit der ausgebildetsten Statistik gehandhabt. Da ferner die Bethätigung der Bewohner die denkbar freieste ist, so erfolgt die jeweilige Anpassung der Produktion an den Bedarf ohne Schwierigkeit. Geld besteht, und zwar nach Goldwährung, ebenso eine Steuer, und zwar eine einheitliche 35proz. auf den Nettoertrag jeder Produktion. Die Frauen und Arbeitsunfähigen werden von Staats wegen erhalten. Die sozialistischen Spuren in Hertzkas »Freiland« sind somit anscheinend gering, und er selbst verwahrt sich auch nachdrücklich gegen eine solche Ansicht. Er will nur der sogen. heutigen Ausbeutung der Arbeiter ein Ende machen und erhofft dies durch die Beseitigung des sonst unangetasteten Eigentums an Grund und Boden, durch die freien Associationen und die zinsenlose Gewährung des beweglichen Kapitals durch den Staat."

