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William Nicholson: Der Windsänger


Ständiger Leistungszwang und Konkurrenzkampf haben den Stadtstaat Aramanth zu einer Diktatur gemacht, in der Hass, Neid und panische Versagensangst die Atmosphäre vergiften und jede Individualität unterdrücken. Als Kestrel Hath, die aus einer unkonventionellen Familie kommt, von ihrem Lehrer auf erniedrigende Weise gemaßregelt wird, rastet sie aus: Sie klettert auf den ''Windsänger'', einen mythischen Bau im Zentrum der Stadt, und brüllt in wüsten Beschimpfungen ihren Zorn auf das Regime heraus. Ihr Vater wandert dafür ins Gefängnis, ihr selbst bleibt nur noch die Flucht. Zusammen mit ihrem Bruder Bowman macht sie sich auf eine gefahrvolle und abenteuerliche Reise, um die Stadt und ihre Bewohner zu retten. DTV Deutscher Taschenbuch Verlag Oktober 2001 - Taschenbücher - 332 S (10,00 €)

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In England hat der oskar-nomminierte Drehbuchautor William Nicholson ("Shadowlands", "Nell" und "Gladiator") mit seinem Romandebüt, einem Jugendbuch, Furore gemacht. Nicht nur, dass "Der Windsänger", eine anspruchsvolle Fantasygeschichte, sofort nach Erscheinen der ersten Auflage restlos ausverkauft war, das Buch wurde auch mit dem renommierten "Smarties Prize" ausgezeichnet. Übrigens ist es dabei in guter Gesellschaft, auch "Harry Potter" war in der Vergangenheit unter den Preisträgern. "Heute besser als gestern. Morgen besser als heute. Das ist der Geist, der unsere Stadt groß gemacht hat." Unter diesem Motto leben und arbeiten die Bewohner des sagenhaften Landes Aramanth. Eine reine Leistungsgesellschaft, die voller Neid und Missgunst ist. Immer war das allerdings nicht so. Früher, als noch die Musik des Windsängers vom Turm erscholl, waren die Menschen glücklicher. Doch leider merken die meisten gar nicht, dass sie sich in dieser Leistungs-Diktatur völlig nutzlos aufreiben. Bis auf einige wenige. Dazu gehören auch die Mitglieder der Familie Hath. Die Eltern, Ira und Hanno, sind nicht bereit, diese Maximen zu übernehmen. Hanno beschäftigt sich am liebsten mit seinen Büchern und die beiden erziehen ihre Kinder nach ihren eigenen Grundsätzen. So fällt ihre Tochter Kestrel durch ihren Widerspruchsgeist sehr negativ in der Schule auf. Um keinen Preis ist sie bereit, sich diesem mörderischen Leistungsdruck zu beugen, der bis zur Größe der Wohnung und den Kleiderfarben alles seinen Bewohnern genau vorschreibt. Kestrel übernimmt zusammen mit ihrem Zwillingsbruder die Aufgabe, die Stadt Aramanth aus der Diktatur zu befreien. Ein fantastisches Abenteuer mit aufregenden Schlachten bei der Suche nach dem Windsänger beginnt. Mit seinem ersten Band der Trilogie um die Bewohner Aramanths ist William Nicholson die Erschaffung einer sehr poetischen Fantasywelt gelungen, die er sprachlich in kräftige Bilder umsetzt. Seine Kritik an unserer Leistungsgesellschaft hat er gut verpackt, denn jedes Kind kennt den immensen Notendruck in der Schule und die Notwendigkeit, immer in den richtigen Marken - Klamotten im Klassenzimmer zu erscheinen. Hier hat Nicholson mit seiner Familie Hath einen wohltuenden Gegenpol geschaffen, denn sie widersetzen sich mit allen Konsequenzen den vorgegebenen Denkschablonen. Die Kraft dafür geben sich die Eltern und die Kinder gegenseitig, in dem sie sich immer wieder aufrichten und nicht locker lassen an ihren Überzeugungen. Ein Buch, das dazu ermuntert, die eigenen Vorstellungen zu suchen, Vorgaben zu hinterfragen und nach individuellen Grundsätzen zu leben, ganz egal, was die anderen dazu sagen. Manuela Haselberger